Workshopgeschichten

3 Dinge, die die meisten Menschen über Handschriften nicht wissen

Mit Spitzfeder und Breitfeder umzugehen ist eine Kunst. Die Unziale, Römische Kapitalis und Anglaise zu schreiben auch. Wenn sich Kalligrafin Marianne Widmer-Suter nicht nur auf die Formen konzentriert, sondern von Gedichten, Schriftgeschichte und Zitaten erzählt, merkt man schnell, dass die Form nicht das einzige interessante Ziel ist.

  1. Die Form folgt dem Inhalt

Wenn man seine Gefühle handschriftlich auf ein Stück Papier bringt, dann hat das viel mehr Ausdruck als eine Mail oder ein SMS. So sind sie viel bedeutungsvoller. Einen Liebesbrief von Hand zu schreiben, hat etwas Intimes. Vom Papierschnitzel bis zur handgeschöpften Wasserzeichenpapeterie, das Papier spielt bei der Stilfrage eine Rolle.

Das Briefeschreiben von Hand hilft, die richtigen Worte zu finden, Fragen zu stellen, zu resümieren. Fehler machen, Stellen streichen, neu entwerfen und umstellen – manchmal hilf dieser Prozess schon, selbst eine Antwort auf die Frage nach dem Inhalt zu finden. Wenn wir einen Text im Mailprogramm oder im Word schreiben, ist es möglich, dass wir vor lauter schreiben – korrigieren – schreiben – löschen – schreiben und korrigieren am Ende nichts haben. Dann ist es besser einen schlechten Text zu haben als gar keinen und diesen dann zu überarbeiten. Wir wissen ja selber, wieviel besser wir kritisieren und korrigieren als dass wir machen können. Nein, Christian, da bist Du nicht der Einzige!

2. Kritisieren und korrigieren ist einfacher als selber machen!

Ob Sie nun mit einer Spitzfeder, einer Breitfeder, einem Filzstift oder einem Kugelschreiber scheiben, kommt immer darauf an wie sicher Sie mit dem jeweiligen Schreibwerkzeug umgehen können.

3. Eine schwungvolle Kugelschreiberschrift ist attraktiver als eine zittrige Spitzfeder- oder eine eckige Unziale.

Die gute Nachricht ist, dass Sie ab sofort üben können. Dafür brauchen Sie Papier und Bleistift. Ziehen sie frei von Hand gerade Linien parallel zueinander. Beachten Sie regelmässige Abstände und gleiche Höhen (ca. Daumenbreite) zu schreiben. Um das Auge zu schulen, überprüfen Sie ab und zu mit einem Lineal wie gerade Ihre Linien sind.

Ab sofort freut sich Marianne Widmer über Schreibaufträge und Kursinteressierte. Der erste Kurs heisst: «Schnupperworkshop Kalligrafie», Mittelalterliche Schmuckbuchstaben (Lombarden) verso moderne Schwungschrift. Um einen Einblick in die Kalligrafie zu erhalten, entwerfen wir einfache eigene Lombarden. Das Schreibmeisterbuch ist uns mit seinen Zeichnungen ein Vorbild. Als Kontrastpunkt schauen wir und auch die moderne Schwungschrift als kunstvolle Erweiterung der eigenene Handschrift an und probieren sie selber aus.

Kalligrafiebuch von Johann Caspar Winterlin aus Luzern geschrieben im Kloster Muri im Jahr 1610. Dieses Buch dient als Vorlage für die Lombarden.
Augen zu und mach einen Schwung…