Workshopgeschichten

Genug gewartet!

Trotz den vielen Nachrichten der Erkrankungen (aus dem TV… wir kennen niemanden der jemanden kennt, der jemanden kennt der krank ist) und das eigene körperlich bedrückende Gefühl fühle ich mich privat sehr dankbar. Roger und ich arbeiten für unsere Arbeitgeber, auch für den Verein «fast normal» und erfinden Alternativen, wo auf den ersten Blick keine sind.

Der Verein Weiss- und Schwarzkunst steckt noch in der Unsicherheit der Anfangsjahre. Der finanzielle Hintergrund ist mit den Investitionen in den Ausbau und das Inventar stark gefordert. Diese mehrmonatige Krise braucht ziemlich Nerven und Durchhaltevermögen. Deshalb haben wir mit schweizerischem Pragmatismus beschlossen, die Stabilität zuerst auf der Gefühlsebene zu meistern und dann mit einer Idee ins Gespräch zu kommen.

Chopfufeundzueversicht

Wir entschlossen uns ein Crowdfundingprojekt zu schreiben. Das Ziel dieses Projektes ist die finanzielle Lage des Vereins zu stabilisieren. Die Ausfälle der Workshop-, Offene Werkstatt- und Veranstaltungseinnahmen sind für den Verein echt hoch. Ich frage mich auch ganz ehrlich, wann trauen wir uns alle wieder in den Kreis von uns fremden Menschen? Wann verschwindet der Reflex von: «die kommen sich aber nah…» oder «das sollten wir doch nicht!». Wann geht das körperlich spürbare bedrückende Gefühl weg?
Solange werden auch die Räume, die wir mieten, viel zu wenig genutzt.

Mit unserem Projekt bei wemakeit.com erleben wir die Partizipation unserer Unterstützer. Sie sind bereit, den Verein mehr zu unterstützen, als sie bereits mit dem Mitgliederbeitrag tun. Leute, die schon lange einmal vorbeischauen wollten, fühlen sich angesprochen und reagieren prompt. Wir sprechen die Krise im Text offen an. Kürzlich hörte ich, dass das Wort «Krise» aus dem Griechischen kommt und «Entscheidung» bedeutet. Man muss sich also entscheiden, will man sich diesem Verein nun zuwenden oder sich gedanklich davon trennen.

Was macht denn dieser Verein Weiss- und Schwarzkunst eigentlich?

Wenn man sich die Website ansieht gibt es viel zu Lesen und zu Sehen. Um Buchdruck zu machen braucht es wirklich einiges an Kenntnis und Zeit. Der traditionelle Handsatz mit dem Winkelhaken fasziniert Hans Peter Dubacher, der am Ende der 1960er Jahren im Atelier Hofstetter in Paris arbeitete. Mit dem Velo lieferte er supergut ausgebundene Sätze in der ganzen Stadt aus. Können Sie sich das vorstellen? Es waren hunderte von Einzelbuchstaben mit Interpunktionen, Wortzwischenräume und Linien als Block gebunden, damit sie nicht auseinander fallen (sehen Sie den kleinen Satz im Bild)! Dort lernte er auch Adrian Frutiger kennen.
Bei uns jungen visuellen Typen sind Einschränkungen nicht so beliebt. Es sei euch aber gesagt, dass der Hochdruck (Buchdruck) sich vom altmodischen und starren Bleisatz so ziemlich emanzipiert hat. Sie harmonieren zwar wunderbar miteinander. Mit jeder ordentlichen Datei kann ein Klischée als Grundlage für den Druck hergestellt werden. Bleiben Sie nur im Raster etwas grober und nehmen Sie keine Haarlinien!

Alles Einzelbuchstaben, mit Wortzwischenräumen und Interpunktionen als Block gebunden.

Miteinander etwas lancieren oder zusammenarbeiten

Mit wemakeit.com wollen wir auch die Aufmerksamkeit von Jungunternehmern, kreativen Berufsleuten, Weltveränderern, Handdruckliebhaberinnen, Biertrinkern, Kulturschaffenden und auch von DIR persönlich gewinnen. Bei unserer wirklich professionelle und ernstzunehmende Arbeit im Bleisatz und Buchdruck können wir tausend Ideen umsetzen und experimentieren. Darüber hinaus interessieren uns (Roger und mich) neue Formen der Zusammenarbeit und den Austausch mit Leuten deren Berufsfokus ein anderer ist.

Wer sich (als spannendes Beispiel) auf der Website «Effinger» (Kaffeebar & Coworking Space, Bern) durchliest, lernt die Resultate der florierenden Gesellschaft kennen, die füreinander und miteinander arbeitet. Da entstehen Kooperationen, werden Ideen umgesetzt und partizipiert. Spricht das die «ehh lässigen Leute» aus Bern an, die mit Kind und Kegel da wohnen und auf dem Wochenmarkt einkaufen? Mitten in der Stadt? Das glaube ich nicht. Solche spannenden Geschichten gibt es auch in Sempach, Sursee und auch bei uns in «Hofdere». Kleine Manufakturen für Bier, Zitronenliqueur… Kennst Du Mikks? Machen doch die in der Coronazeit, mit einigen den geschlossenen Bars in Zürich einen Drink-Lieferservice und online stösst man miteinander auf das Wochenende an. Ist das nicht cool? Eine Besitzerin sagt: «Wir nahmen uns bis jetzt nur als Konkurrenten war. Auf dem Platz Zürich sind viele Bars eng beieinander. Warum lancierten wir nicht schon lange etwas zusammen?»

Diese Gedanken können Roger und ich noch oft hin- und herwalzen. Es braucht jedoch andere dazu, die regelmässig zusammenkommen und über ihre Visionen diskutieren. Wir sind dazu bereit!

Yvonne Tschopp-Camenzind

Das Zusammentragen. Mit Abstand am Besten wenn man dazu etwas zu diskutieren hat.

Dieser Artikel steht auch im Blog von Trechter.ch.

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