Workshopgeschichten

Minus oder Divis

Das Minus ist nach dem Plus das zweite Zeichen, womit wir in der Schule rechnen lernen. Von Hand geschrieben hat es waagrecht eine gewisse Länge und steht von der Höhe her in etwa der Mitte des Grossbuchstabens.
Wenn Ihnen schon aufgefallen ist, dass die Strichlänge aller minusartigen Zeichen in gedruckten Medien unterschiedlich ist, und es Sie interessiert, tauchen Sie ein in:

Die Mikrotypografie

Die Geschichte beginnt mit dem typografischen Massystem, welches mit Punkt und Cicero misst. Der Begriff «Geviert» ist ein geometrischer Fachbegriff aus der Mathematik des 16. Jahrhunderts, der für das Quadrat gebräuchlich war. In der Typografie ist das Geviert die relative Masseinheit, die zur Bemessung von Abständen (z.B. Wortzwischenräume, Zeilenabstände) und Strichen (z.B. Geviertstriche) verwendet wird. 

Ein Geviert ergibt sich aus der Höhe des Schriftkegels.

Ein Geviert ist also ein quadratisches Stück Blindmaterial, meist aus einer Metallegierung, das der jeweiligen «Kegelgrösse» entspricht, was aber, verwirrender Weise, sich nicht mit der eigentlichen Schriftbildgrösse deckt.

Zurück zum Minus

In der vierjährigen Schriftsetzerlehre lernten wir viele Striche und deren Anwendung kennen.
Der Gedankenstrich « – », der in der Typografie als Halbgeviertstrich bezeichnet wird, verwendet der Typograf / die Typografin seinem Namen nach, aber auch als Minuszeichen (exakt die Breite des Gleichheitszeichens), Aufzählungszeichen, Währungsstrich oder Zeit- und Wegstrecken. Als Streckenstrich fügt man vor- und nachher ein Spatium (halbes Leerzeichen) ein. Die Ausnahme ist, wenn der Halbgeviertstrich als Bis-Zeichen (–20 Grad) verwendet wird, kommt er direkt an die Zahl, ohne Leerraum.

Das kürzere Divis « – », der Viertelgeviertstrich wird heute in der digitalen Welt für fast alles eingesetzt. Bei E-Mails, Posts auf Sozialen Netzwerken oder Apps könnte der Gebrauch vom Gedankenstrich durchaus weiterhin gepflegt werden. Es zeichnet die Person aus, wenn Sie weiss damit umzugehen, denn wie eine gut sitzende Hose oder das Kleine Schwarze Leute macht, spiegelt die richtige Anwendung der Interpunktionen Feingefühl und Knowhow.

Aus dem Typolexikon.de

Empfehlung für das tiefere Studium der Thematik:
Wolfgang Beinert, Grafikdesigner und Typograf, vereint all das Wissen in seinem Typolexikon.de. Es ist sein populärwissenschaftliches Langzeitprojekt, um Fachwissen rundum die Typografie, Schrift und Grafikdesign zu dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich empfehle Ihnen einen Blick hinein zu werfen.

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